Aimée Riecke

Stabilität für Deine Körpermitte

5 Eigenschaften von Barfußschuhen

27. Aug 2022 | 2 Kommentare

Noch vor vier Jahren hatte ich ein sehr eingeschränktes Bild von Barfußschuhen. Das ist doch wieder nur so ein komischer Trend von irgendwelchen spleenigen Alternativen, außerdem sind die alle total hässlich. Ich hatte ja keine Ahnung.

Dann stolperte ich über Maike. Sie ist Kinderphysiotherapeutin und klärt auf ihrem Instagramprofil über ihre Themen, insbesondere aber über Kinderfüße auf. Ich las ihre Beiträge aufmerksam und langsam sackte das Gelesene bei mir durch. Ich ging auf die Suche nach mehr Informationen, recherchierte, las noch mehr und besorgte mir schließlich vor ungefähr drei Jahren mein erstes Paar Barfußschuhe.

Über meinen Wechsel von konventionellen Schuhen zu Barfußschuhen, meine bisherige Reise und die Effekte werde ich separat schreiben. Hier geht es erstmal nur um die Eigenschaften, die einen Barfußschuh ausmachen und warum die von Vorteil sind.

Barfußschuhe haben eine breite Zehenbox

Von Natur aus ist unser Vorderfuß vorne eigentlich recht breit. Man kann das bei Babys noch gut erkennen, dass der Fuß fast eine V-Form hat. Die meisten konventionellen Schuhe laufen vorne enger zu und quetschen die Zehen und den Vorderfuß zusammen. Das kann z.B. die Bildung eines Hallux Valgus begünstigen.

Auch wird die natürliche Funktionsweise durch die mangelnde Bewegungsfreiheit beeinträchtigt. Der große Zeh kann nicht so abrollen, wie es eigentlich der Fall sein soll, das kann das Gangbild beeinflussen. Darüber hinaus werden die Zehen aufgrund des verminderten Platzes eher kalt, sie können sich nicht gut bewegen und werden nicht so gut durchblutet.

In Barfußschuhen haben die Zehen Platz, um sich aufzuspreizen und beim Gehen so reagieren zu können, wie sie sollen. Die Fußform passt sich mit der Zeit an die Schuhform an, das gilt in beide Richtungen, positiv wie negativ.

Ein überdeutliches Beispiel:

Etwas weniger deutlich, aber immer noch vorhandener Unterschied:

Sie haben keine Sprengung

Es gibt zwei Arten von Sprengung. Die an der Ferse, was wir meistens umgangssprachlich als Absatz bezeichnen, wobei das so noch nicht ganz identisch ist, und den an der Spitze. Einfach formuliert könnte man sagen, es ist einfach jeweils der Abstand des Fußes vom Boden.

Die Spitzensprengung (auch: toe spring) hält Deine Zehen dauerhaft in einer nach oben gestreckten Haltung. Diese Position sollen Deine Zehen beim Abrollen zwar einnehmen können, aber ein dauerhaftes Verhalten darin ist nicht ideal. In der Bewegung sollten die Zehen einmal durch ihren vollen Spielraum gehen können.

Die Fersensprengung besteht häufig nicht nur aus dem sichtbaren Absatz. Es gibt auch viele Schuhe, häufig Sneaker, bei denen das Fußbett keilförmig die Ferse anhebt. Das hat den gleichen Effekt, wie ein entsprechend hoher Absatz: Dein Stand und Gangbild verändern sich, weil Du ausgleichen musst, um nicht nach vorne überzukippen.

Zwei Bilder einer Frau: links steht sie mit Pumps, rechts barfuß. Ein senkrechter Strich geht auf beiden Bildern vom Knöchel hoch. Auf dem linken Bild erkennt man dadurch, dass sich durch den Absatz der Schuhe das Becken nach vorne geschoben hat, der untere Rücken ist komprimiert. Auch das Kinn sitzt weiter vorne. Auf dem rechten Bild trägt sie keine Schuhe. Der senkrechte Strich geht vom Knöchel durch die Knie über die Hüfte und Schulter. Diese Stapelung ist ideal. Dieser Vergleich soll zeigen, dass Barfußschuhe die angestrebte Statik fördern.
Sobald wir Absätze tragen, verschiebt sich unsere Statik, mit Folgen u.a. für unsere Körpermitte

Barfußschuhe haben kein Fußbett

Nicht alle, aber viele konventionellen Schuhe haben ein Fußbett, in dem der Fuß entsprechend seiner anatomischen Form mehr oder weniger stark eingebettet ist. Das vermutlich bekannteste und am meisten ausgeprägte Fußbett ist wohl das von Birkenstock. Barfußschuhe haben auch innen eine vollkommen flache Sohle. Man steht in ihnen also fast so wie ohne Schuhe, direkt auf dem Boden.

Ohne Fußbett muss die Muskulatur des Fußes entsprechend ihrer Funktion arbeiten und wird so gleichzeitig dauerhaft trainiert. Wie bei allen Muskeln gilt „use it or lose it“, also „benutze es oder verliere es“. Wenn wir Muskeln nicht benutzen, dann atrophieren, also verkümmern sie. Du hast das vielleicht schonmal gesehen, wenn nach einigen Wochen ein Gips abgenommen wird. Der Arm oder das Bein darunter ist dann durch die Nichtbenutzung sichtbar dünner geworden.

Das gilt eben auch für unsere Füße, so dass durch die wohlgemeinte Unterstützung der Fußmuskulatur nicht selten genau das Gegenteil von dem erzielt wird, was man erreichen wollte. Schmerzen in den Füßen können tatsächlich durch solche vermeintlichen Hilfestellungen entstehen.

Sie haben flexible Sohlen

Dicke Sohle, viel Polsterung und Schutz vor den unangenehmen Untergründen unserer modernen Zeiten. Konventionelle Schuhe versprechen uns mit viel Dämpfung den Schutz vor dem harten Asphalt und anderen Unwegsamkeiten. Aber brauchen wir diesen Schutz auch?

Barfußschuhe haben dünne, sehr flexible Sohlen. Diese ermöglichen Dir, mit Deinem Fuß so abzurollen, wie wir eigentlich von Natur aus gehen. Die dicke Polsterung und die steife Sohle verändern unser Gangbild und nehmen dadurch Einfluss darauf, was in unseren Knien, Hüften und Becken passiert. Wir passen uns mit unseren Bewegungen an das an, was möglich ist und verändern somit unsere Bewegungsabläufe, was sich mit der Zeit in Beschwerden oberhalb der Füße zeigen kann.

Barfußschuhe halten von selbst an den Füßen

Viel Platz für die Zehen, häufig dünne und flexible Sohle und ohne Absatz – man könnte meinen, dass Flip-Flops und ähnliche Schlappen oder Sandalen gute Barfußschuhe wären, zumal man barfuß in ihnen unterwegs ist. Allerdings ist es so, dass bei Sandalen, die nicht von selbst am Fuß halten, die Zehen diesen festkrallen müssen. Dadurch können sich die Zehen beim normalen Gehen nie entspannen.

Durch das dauerhafte Krallen entsteht mehr Druck auf die Mittelfußköpfe. Auch der Muskel, der die große Zehe führt, kann überbeansprucht werden. Ermüdung, aber auch Entzündungen können die Folge sein. Das Gangbild ändert sich bei Flip-Flops ebenso, und wenn man ansonsten eher gepolsterte Sohlen gewohnt ist, ist der plötzliche Umstieg auf wenig Dämpfung eine weitere Belastung für den Fuß, welche zu Beschwerden führen kann.

Barfußsandalen bleiben am Fuß, selbst wenn man ihn schüttelt. So kann sich der Fuß im gesamten Gangzyklus natürlich bewegen, ohne dass sich die Zehen festkrallen müssen.

Eine wichtige Anmerkung

Wenn Du konventionelle Schuhe trägst, egal ob Du Probleme mit den Füßen hast oder nicht, aber insbesondere, wenn Du Probleme hast, wechsel bitte nicht einfach sofort auf Barfußschuhe! Die Umstellung von gewöhnlichem Schuhwerk auf die Barfußvariante benötigt Zeit und gute Begleitung mit unterstützenden Übungen für Deine Fußmuskulatur. Ein zu schneller Wechsel kann zu anderen Beschwerden oder sogar Verletzungen führen.

Wenn Dein Fuß sich über Jahre daran gewöhnt hat, auf diese Weise zu gehen, dann müssen wir seiner Muskulatur erst wieder geduldig beibringen, dass es auch anders geht. Das mag in vielen Fällen lästig klingen, aber eigentlich steckt da ein ganz cleverer Mechanismus unseres Körpers dahinter.

Dieser versucht immer, uns möglichst energiesparend und effizient durchs Leben zu tragen. Also werden Funktionen, die wir nicht ausreichend nutzen, reduziert oder eingestellt und wir gewöhnen uns daran. Das Gute ist aber, dass wir und diese Funktionen aber auch wieder antrainieren können. Mit ein bisschen Geduld. Hast Du dazu Fragen? Dann schreibe die gerne in die Kommentare oder vereinbare ein kostenloses Kennenlerngespräch mit mir!


Anmerkung: Dieser Artikel ist an Tag 7 der Sommer-Blogdekade 2022 entstanden. Vom 21.08. bis 30.08.2022 schreiben viele Bloggerinnen in TheContentSociety innerhalb von zehn Tagen bis zu zehn Blogartikel. Es ist meine erste Blogdekade, und ich bin neugierig, wie viele Artikel ich tatsächlich in dieser Zeit erstellen kenn, ohne mich von meinem inneren Perfektionisten ausbremsen zu lassen.

2 Kommentare

  1. Liebe Aimée, ein toller Artikel mit super Bildmaterial!
    Auch ich möchte vermehrt Barfuss-Schuhe in mein Leben integrieren. Ein Paar Vivos trage ich schon zwei Jahre. Nun müssen langsam auch meine konventionellen Winterschuhe weichen. 🙂 Hast du Tipps dafür?
    Liebe Grüsse, Seraina

    Antworten
    • Liebe Seraina,
      lieben Dank für Dein Feedback, das freut mich sehr.
      Ich habe mir letzten Winter Stiefel von Xero (Model Mika) gegönnt, die mich super durch die dunkle Jahreszeit gebracht haben. Schneetauglichkeit konnte ich in Hamburg nur an einem Tag austesten, die Füße blieben aber warm und trocken.

      Auch BeLenka hat Winterstiefel, aber meinem Eindruck nach eher passend bzgl. Kälte und nicht so sehr für Nässe/Schnee.

      Meine Lieblings-Website zum Recherchieren von Barfußschuhen ist https://anyasreviews.com/. Dort gibt es zum einen unglaublich viel Hintergrundwissen, auch bzgl. verschiedener Fußformen, wie die Schuhe ausfallen etc. und auch den ShoeFinder.

      Da kannst Du richtig gut suchen, mit Filtern für alles Mögliche und, ganz wichtig, da die Seite von einer US-Amerikanerin ist, auch der Filtermöglichkeit danach, ob die jeweilige Firma in Dein Land verschickt.

      Ich hoffe, das hilft für den Start, sonst meld Dich gerne nochmal!
      Liebe Grüße
      Aimée

      Antworten

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Moin, ich bin Aimée, Trainerin für Core-Stabilität und Beckenboden-Gesundheit. Ich zeige Dir mit sanftem Ganzkörpertraining und Körperwissen, wie Du wieder mehr Sicherheit und Stabilität in Deine Körpermitte bringst. Hier erfährst Du noch mehr über mich.

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