Aimée Riecke

Stabilität für Deine Körpermitte

Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur etwas anderen Beckenbodentrainerin

29. Mai 2022 | 15 Kommentare

Es gibt eine Sache, die war tatsächlich schon in meiner Kindheit genau so, wie sie es jetzt noch ist: Ich mag es meistens sehr genau. Dieses Präzisions-Ich hätte gerne für den Titel eine passendere Bezeichnung für mich gefunden, als das, was nun dort steht. Da ich nicht fündig wurde, hätte ich beinahe noch den Zusatz „[…] die diesen Begriff aber immer noch nicht treffend findet.“ hinzugefügt. Ich bin erneut und immer wieder auf der Suche, das zieht sich dann doch wie ein roter Faden durch mein Leben.

Aber je älter ich werde, insbesondere aber in den letzten vier Jahren, lerne ich, dass die Suche nach dem richtigen (Job, Satz, Moment, Begriff, Verhalten oder auch Titel… Such es Dir aus, es ist egal), mir selten eine passende Antwort bringt. Immer häufiger kann ich annehmen, dass der Weg das Ziel ist und, mehr noch, MEIN Weg MEIN Ziel ist. Ich zeige dem Perfektionismus zunehmend den Finger, wage mehr, bin neugieriger und mutiger und werde dafür belohnt. Ich entdecke neue Wege für mich und mit anderen die für sie passenden Wege. Mein Weg dorthin folgt jetzt.

1.    1995-2013: Ich weiß nicht, was ich werden will, wenn ich groß bin. In der Schule habe ich immer die Mitschüler beneidet, die genau wussten, was sie nach dem Abi machen würden. Meine berufliche Orientierungslosigkeit hielt bis Mitte 30 an. Was ich aber schon mit 12 wusste: Ich möchte Kinder haben. Ich hatte, wie sich später herausstellte, tatsächlich auch eine sehr realistische Vorstellung davon, wie das Leben mit Kind sein würde. Wovon ich hingegen keinerlei Vorstellungen hatte, war, was dieses Abenteuer für meinen Körper bedeuten würde.

2.    2014-2018: Eine Workaholic und die sieben Gentlemen. Ich fand endlich einen Job, in dem ich mich angekommen fühlte. Es war absolut anstrengend, wir arbeiteten alle viel zu viel. Regelmäßig pendelte ich quer durch Deutschland und zu Beginn relativ lange die einzige Frau im Team zu sein, war mitunter ziemlich anstrengend, auch wenn sich meine Gentlemen die Bezeichnung ehrlich verdient haben. Dann kam ich auch privat endlich an und während in der Firma langsam die Heuschrecken unangenehme Veränderungen lostraten, überraschte mich mein Körper: endlich schwanger. Die Hoffnung darauf hatte ich schon beinahe aufgegeben.

 

Eine hochschwangere Frau fotografiert sich im Fahrstuhlspiegel selbst. Sie trägt einen hellgrauen Winterpulli und einen dunkelblauen Rock.

Schwanger auf Dienstreise


3.    2018: Alles ändert sich.
Die Geburt meines geliebten und lang ersehnten Kindes verläuft grauenhaft. Während mein Herz größer und erfüllter wird, zerbricht mein Körper. Acht Monate Dauerschmerzen liegen vor mir, ohne dass ich auch nur ahnte, dass diese irgendwann ein Ende haben könnten. Und obwohl sich mein Körper nur noch anfühlt, wie eine kaum noch funktionierende Hülle, die mich gerade mal so eben durchs Leben schleppt, fühle ich mich dennoch zumindest an diesem einen Tag im Brautkleid schön. Ansonsten funktioniere ich einfach, irgendwie.
Eine strahlende Frau in einem Brautkleid, die sich gerade eine Kette anlegt.

Hochzeit (Foto: Anne Hufnagl)


4.    Erste Hälfte 2019:
Inkontinenz, Isolation und ein erster Lichtblick. Wenn man sich keine 20 Minuten von einer Toilette entfernen kann, vereinsamt man. Ich laufe permanent aus und habe keine Kraft übrig, um auf die Suche zu gehen, weil ich weder weiß, wo ich suchen soll, noch was ich eigentlich fragen müsste. Mir fehlt das Wissen, um mit den richtigen Worten sinnvolle Fragen stellen zu können. Die fehlende Energie hüllt mich in dichten Nebel, macht mich unglaublich passiv und lässt mir kaum Erinnerungen an gute Momente dieser Zeit. Dann entdecke ich bei Judetta den Mamsterrad Podcast.

5.    Zweite Hälfte 2019: Echte und vermeintliche Lösungen. Der Mamsterrad Podcast beschert mir Imke, bei der ich dann im Mama Coaching, zunächst einmal einfach ich sein darf, liebevoll und kompetent begleitet. Endlich werden meine Beschwerden ernst genommen und es hört mir jemand zu. Daraus schöpfe ich neue Kraft und Hoffnung und fordere die zuvor nicht bekommene Hilfe nachdrücklicher beim Arzt ein.
Mir wird eine chirurgische Lösungen dargeboten, von der ich nicht ahne, dass es nur eine von mehreren Möglichkeiten ist. Auch nicht unbedingt die, auf die man sich als erstes stürzen sollte. Ahnungslos frage ich also auch nicht nach Alternativen, man erzählt mir auch keine. Genauso wie ich viele andere Details über die OP und mögliche Neben- und Nachwirkungen nicht mitgeteilt bekomme, einiges davon wird mich später unangenehm einholen.

Ein Tablett mit Krankenhausessen: Ein Teller mit einer Scheibe Brot und zwei verschiedenen Scheiben Aufschnitt, eine Tasse Tee, eine Tasse Suppe und ein Joghurt, eine kleine Packung Butter und Frischkäse.

Wenig aufmunterndes Krankenhausessen


6.    Erste Hälfte 2020:
Endlich besser, ach nee, doch nicht. Ich erhole mich gut von der vorweihnachtlichen OP und nach der ersten Wundheilung zeigen sich auch dramatische Verbesserungen. Ich bin vorsichtig optimistisch, kremple die Ärmel Stück für Stück hoch und wage es wieder, ein bisschen zu leben, mache Pläne, möchte etwas unternehmen und vor allem wieder mehr unter Menschen. Auftritt SARS-CoV-2 und erster Lockdown. Kind: 24/7 zu Hause, Mann: 24/7 damit beschäftigt, seine Arbeit zu retten, ich: 24/7 das Kind von der Treppe flöhen, weil es dringend zu Papi will. Und meine mentale Gesundheit so: ich bin dann mal weg.

7.    Juli-August 2020: Ich springe über meinen Schatten. Die Kontaktbeschränkungen sind gelockert und in der Anwohner-WhatsApp Gruppe bietet jemand eine Yoga-Gruppenstunde für die Nachbarn im Garten an, ich schaffe es zwar zeitlich nicht daran teilzunehmen, aber ein Gedanke ist gepflanzt. Mein Körper hat Puddingkonsistenz und ich meine die Funktionalität, nicht die Optik: ich fühle mich schwach, instabil und unkoordiniert. Jetzt, da meine Aufmerksamkeit nicht mehr ausschließlich auf Toilettensuche fokussiert ist, habe ich endlich Kapazitäten, diesen Zustand in Angriff zu nehmen.
Eigentlich kann ich mit Yoga so gar nichts anfangen, mehrere sehr unschöne und vor allem schmerzhafte Erfahrungen haben nachhaltigen Eindruck hinterlassen, die Yoga-Schwärmerei anderer kann ich bislang nicht nachvollziehen. Dennoch überwinde ich einige Wochen später meine Unsicherheit und schreibe die Nachbarin an und bitte sie zunächst nur um ein Informations-Gespräch.

8.    August 2020: Zufälle und guter Rat sind unbezahlbar. Ich habe Glück: die Nachbarin lebt normalerweise gar nicht in Deutschland, strandete nur dank Covid bei ihrer Mutter. Sie ist unglaublich hilfsbereit, erfasst meine Situation schnell und rät mir von Yoga ab. Stattdessen verweist sie mich auf das Restore Your Core® Programm von Lauren Ohayon. Ich gucke es mir an und da gerade Sale ist, schlag ich zu, ohne zu erfassen, was das genau ist: was außer den Kaufbetrag habe ich zu verlieren? Ich habe nicht die leiseste Ahnung, dass ich mich gerade auf etwas grundlegend Lebensveränderndes eingelassen habe.

9.    September 2020: Beinahe schon vorbei, bevor es überhaupt richtig losging. Der Anfang ist zäh, denn ich tauche in eine für mich gänzlich neue Welt ein, deren Sprache ich noch nicht kenne; Englisch ist dabei nicht das Problem. Nach dem allerersten Workout versinken meine Knie in Schmerzen, die mir den Atem rauben und so viel Hoffnung zu erdrosseln drohen. Unter Tränenströmen und voller Scham über mein Scheitern schreibe ich Lauren eine verzweifelte E-Mail, ich nehme sie beim Wort: „Ask me anything“ ist ihre Grußformel in E-Mails und unter Posts. Ihre Antwort kommt unglaublich schnell und ist so simpel im Inhalt wie verblüffend effektiv in der Wirkung. Sehr verkürzt ausgedrückt: sie gibt mir die Erlaubnis, nicht perfekt zu sein, es einfach „anders“ zu machen als im Programm vorgesehen und stellt mir nebenbei die Themengebiete Schmerzwissenschaften und Nocebo-Effekt vor.

10.    Mitte Oktober 2020: Selbstbild vs. Fremdbild. Ich habe RYC® noch nicht einmal zur Hälfte durch und merke schon unglaubliche Veränderungen in mir, physisch, aber auch mental machen sich Verbesserungen bemerkbar, die meine Neugier kitzeln. Ich will verstehen, was dahintersteckt und warum das funktioniert, mein vor hundert Jahren mal vorhandenes, aber nie ausgelebtes Interesse an Anatomie und der Komplexität des Körpers, erwacht zu ganz neuem Leben.
Als ich in der RYC® Gruppe, in der ich mittlerweile sehr aktiv bin, die Info über das dank Covid bald wieder virtuell stattfindende RYC® Teacher Training entdecke, erlaube ich mir kurz und zaghaft den Gedanken, mich dafür anzumelden. Nur für mich, allein aus eigenem Interesse, gar nicht um Teacher zu werden, aber den Gedanken zu Ende zu denken trau ich mich dann doch nicht, bin ich doch Neuling in dieser Welt. Dann schreibt Lauren in einem unserer E-Mail-Austausche den alles entscheidenden Satz: „I was thinking that you would make a great teacher!“ – ein Telefonat und wenige Tage später buche ich.

Ein Screenshot eines Auszugs aus einer E-Mail auf Englisch. Einige Zeilen sind unterstrichen, in der ersten E-Mail:

Der eine entscheidende Satz


11.    Februar 2021: Das RYC® Teacher Training beginnt.
Ich bin unglaublich aufgeregt, denn in den Vorstellungsvideos der anderen Teilnehmerinnen erfahre ich auch, wie viel Vorerfahrung die meisten schon haben. Und das Material ist durchaus anspruchsvoll. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal so richtig gelernt, kann ich das noch? Aber ich muss nicht allein da durch, uns wurden Trainings-Partnerinnen zugeteilt und ich habe Glück, ich kann die Wissenswelle, die über uns rollt, mit meiner Partnerin Regina auf Deutsch erarbeiten. Ansonsten sind wir ein internationaler Haufen, der sich, obwohl ja alles nur über Zoom läuft, schnell zu einer richtig großartigen Community zusammenwächst.

12.    April 2021: Erste Erfolgserlebnisse. Ungefähr gleichzeitig mit mir hatte im September eine junge Skandinavierin auch mit RYC® begonnen und wir spürten schnell eine enge Verbundenheit, die zu regelmäßigem Austausch führte. Während ich mit dem Teacher Training anfing, verzweifelte sie zunehmend ob ihrer fehlenden Fortschritte. Da wir ermutigt wurden, schon während der Ausbildung unser neu erworbenes Wissen anzuwenden, um mehr Übung zu bekommen, fragte ich sie, ob sie mit mir arbeiten wolle. Bereits in unserem allerersten Termin konnte ich ihr zu einem substanziellen Durchbruch verhelfen und nur einen Monat später hatte sie dank meiner Hilfe erneut ein großes Erfolgserlebnis. Trotzdem war ich noch immer der festen Überzeugung, dieses Training nur für mich zu machen und nicht, um tatsächlich später zu unterrichten.

13.    Mai 2021: Ein Anruf mit Folgen. Eines Samstagabend, ich litt gerade unter einem heftigen Allergieanfall und hatte bereits die dritte Tempobox verbraucht, rief mich meine Trainingspartnerin Regina an. „Ich bin krank, kannst Du morgen früh meinen Kurs übernehmen?“ – „SPINNST DU?! NEIN, auf keinen Fall! Das kann ich nicht, das hab ich doch noch nie gemacht, schon gar nicht auf Deutsch! Außerdem fällt mir gerade die Nase ab.“ – Eine dreiviertel Stunde hart umkämpfter Diskussion meiner Zweifel gegen ihr Vertrauen in meine Fähigkeiten später, sagte ich zu. Nach spätabendlicher und nur sehr kurzer Vorbereitung hielt ich am nächsten Morgen erfolgreich meine erste Gruppenstunde und bekam sogar ausdrücklich Komplimente.

14.    Juni 2021: Im Schweinsgalopp zur Zertifizierung. Nach einer weiteren Vertretungsstunde für Regina und dem zweitägigen Abschlussworkshop des Teacher Training, stürzte ich mich in die Zertifizierungsstunden und Case Studies. Mit den bis dahin bereits erlebten Erfolgen, fiel jede weitere Session mit Kundinnen auf fruchtbaren Boden: diese völlig neu entdeckte Welt, ist viel zu genial, um sie nicht auch aktiv mit anderen zu teilen. Als ich Ende Juni dann das Zertifikat in den Händen halte, kapiert auch endlich mein Kopf, was mein Bauch vermutlich schon im Oktober längst wusste: Ich mach das jetzt richtig! (Nicht nur so für mich.)

Man sieht das Gesicht einer strahlenden Frau, die neben einem Zertifikat liegt, auf dem steht:

Zertifiziert: erleichtert, stolz und fröhlich


15.    August 2021:
Netzwerken zeigt neue Wege. Nach dem High der letzten Monate folgt ein kleines post-Zertifizierungs-Tief. Ich erwerbe noch drei Fortbildungskurse, die meinem spontanen Bauchgefühl zusagen, mein Kopf später aber wieder anzweifelt und weiß ein Weilchen nicht so recht wohin mit mir. Aufwind bringt, nach langer Coronapause endlich mal wieder live stattfindend, ein Event der BusinessMoms, meinem Lieblingsnetzwerk für Mütter. Ich treffe auf altbekannte aber auch mir neue Gesichter, die mir Inspiration und Mut zur Leichtigkeit mitgeben. Eine davon ist die wunderbare Mayka von Y-Stories: sie kitzelt in nur zwei Workshop Sitzungen so viel aus mir heraus, dass ich anfange zu verstehen, was mich da gerade so antreibt und begeistert. Mit ihrer Hilfe legen ich ein Fundament und von ihr lerne ich #einfachmalmachen.

16.    Herbst 2021: #einfachmalmachen: Mein erster eigener Gruppenkurs. Ich stürze mich ins Tun, organisiere die technischen Aspekte, springe über sämtliche Schatten und Unsicherheiten hinweg und emaile den 22 Menschen, die im Laufe der letzten Monate gesagt haben „Sag mal Bescheid, wenn Du soweit bist.“ Ich schreibe ihnen, dass und wann mein Online-Kurs beginnt und werde für diesen Mutausbruch mit 3 schnellen Buchungen innerhalb von 2 Stunden belohnt.
Ich traue mich noch einen zaghaften Post auf Insta und FB rauszuschießen, worüber sich dann immerhin noch 3 weitere Teilnehmerinnen finden. Zu mehr fehlt mir zu dem Zeitpunkt Orientierung und Unterstützung, aber vor allem auch noch die Sicherheit. Der Kurs wird, in Abwesenheit jeglicher Perfektion, tatsächlich ziemlich großartig, was nicht zuletzt an den 6 zauberhaften Teilnehmerinnen liegt, die mir ihr Vertrauen schenkten und sich auf ganz viel Neues eingelassen haben.

Ein Screenshot einer Zoomaufzeichnung, das Bild zeigt eine Frau von der Seite, die in Sportklamotten einen Squat durchführt und dabei lacht

Der erste online Gruppenkurs macht Spaß


17.    September – Dezember 2021: Weiter lernen, weiterbilden, weiter wachsen.
Schon seit dem Treffen mit den BusinessMoms im August saugt meine Seele jeden neuen Austausch wie ein trockener Schwamm auf. Ich springe hin und her, erfreue mich an inspirierenden Gesprächen auf Netzwerktreffen und tauche in tausend weitere Themengebiete ein, die mein RYC®-Wissen ergänzen. Schmerzforschung, Vagus-Theorie, Trauma, Krafttraining, Menopause und Behaviour Change – ich bin von allem fasziniert und gebe ein bisschen zu viel Geld für Kurse und Bücher aus. Zum Dezember hin wird deutlich, dass ich von Fokus und strukturierter Unterstützung nur profitieren kann und geh zu SMASH IT, der großartigen Mastermind von Gretel Niemeyer und Laura Roschewitz.
Ein schwarzer Business Planer von 2022 mit einem Aufkleber drauf, auf dem steht:

Smash it und der Business Planer bringen Struktur und Unterstützung


18.    Januar – April 2022: You can. You will. Smash it!
Laura und Gretels Slogan für die Mastermind ist Programm, Anleitung, Anfeuerung und Motivation pur. Aber auch gemeinsam leiden und gemeinsam Erfolge feiern findet in dieser Mastermind statt, die mich immer wieder aufs Neue mitreißt, inspiriert und gegebenenfalls mit liebevollen Arschtritten versieht. Mit ihrer Expertise leiten sie mich durch diverse Schritte, die mich näher zu meinem Angebot bringen.
Es kristallisiert sich für mich heraus, dass ich zunächst mit 1:1 Kundinnen arbeiten möchte, weil mich die individuelle Herangehensweise ganz besonders reizt. Und dann geht es Schlag auf Schlag: Anfang März steht mein Angebot „Empower Your Core – Das etwas andere Beckenbodentraining“, ich bin bei Eva Loschky auf Clubhouse zu Gast in ihrem Stimmcafe zum Thema Female Empowerment. Nur wenige Tage später bucht eine Zuhörerin Empower Your Core.

 

19.    HIER UND JETZT: Panta rhei – alles fließt. Du hast es schon oben zu Beginn gesehen: ich weiß immer noch nicht so genau, wie ich das, was ich mache, auf den Punkt bringen kann. Es ist so viel mehr als nur Beckenbodentraining, weil ich einfach so viel mehr in meiner Arbeit berücksichtige und mit einbeziehe. Nicht nur auf den Körper bezogen, der bei mir ja ohnehin im Ganzen betrachtet wird, sondern auch aus den Fortbildungen und Coachings, die ich selbst wahrnehme.

Wohin mich das alles noch hinbringen wird, wer weiß das schon. Ganz aktuell sitze ich an der Fitnesstrainer B-Lizenz, um mich dem Krafttraining zu nähern, konzipiere einen Workshop, brainstorme über den Aufbau eines Gruppenprogramms und betreue Kundinnen im 1:1 Setting (aktuell habe ich übrigens noch freie Kapazitäten).

Und trotz all dieser sich auch weiterhin ständig im Fluss befindlichen Entwicklungen, die mein Hirn laut „ich bin doch noch gar nicht bereit dafür“ schreien lassen, traue ich mich heute mit diesem Artikel live zu gehen.

Denn schlussendlich steckt auch darin eine wunderbare Parallele zu meiner Arbeit: ich begleite meine Kundinnen auch auf einer Reise: zu mehr Verständnis für ihren Körper. Bei der wir die Landkarte gemeinsam zeichnen, Wege finden und erforschen, uns mit Hindernissen auseinandersetzen und neu orientieren dürfen. Und dabei unsere eigenen Grenzen erkennen, diese zu wahren und mit einem ganz liebevollen Blick auf unseren eigenen Körper zu blicken lernen.

Vielleicht bin ich also Beckenboden- und Core-Trainerin mit Ganzkörperfokus aber außerdem noch Körperreisen-Landkartenzeichnerin, Wegeaufzeigerin, Reisebegleiterin, Zuhörerin, Safe-Space-Bieterin, Wissensgeberin, Tabubrecherin, Mythbuster, Schambefreierin, Hoffnungsgeberin, Empowermentvermittlerin und Grenzenwahrerin. Das passt halt in keinen Titel. 😊

Portrait einer herzhaft und losgelöst lachenden Frau, die Augen sind fast geschlossen, der Mund weit geöffnet.

Losgelöst und unbeschwert (Foto: Sandra Birkner)

Fotos in diesem Artikel: eigene, sofern nicht anders gekennzeichnet.

15 Kommentare

  1. Oh dein Beitrag rührt mich so sehr! Ich habe schon Gänsehaut bekommen beim Wort „Lebensverändernd“ und vielleicht sind meine Augen ein klitzekleines bisschen feucht geworden. Ich bin so dankbar, dass ich einen Teil deines Weges mit dir gemeinsam gehen darf, dass du immer wieder die richtig tiefen Fragen stellst und dass du da bist, wenn ich dich brauche!

    Antworten
    • Danke, liebe Regina!
      Den letzten Satz kann ich genau so zurückgeben: Danke fürs begleiten, auffangen, miteinander lachen (und auch weinen) und rum-nerden. (Gait Analyse demnächst mal wieder? 😉 )
      Ich freu mich irre darüber, dass Du in meine Leben getreten bist. <3

      Antworten
  2. Liebe Aimée, vielen Dank, dass du mich mitgenommen hast auf die Reise durch dein Leben!
    Und: Alles erstmal akzeptieren, was Ärzt:innen einem sagen… kenne ich. In einer Arztpraxis werde ich irgendwie immer ganz kleinlaut, obwohl ich außerhalb durchaus meiner Frau stehen kann.
    Ich bin mir sicher, ich werde hier bei dir im Blog so viel neues über alles rund um den Beckenboden und die Tabus drumherum erfahren werde. Freu mich drauf! LG, Djuke

    Antworten
    • Danke schön, Djuke!
      Ja, das mit den Ärzt:innen ist so eine Sache… ich habe das zum Teil nicht einmal bemerkt, was da gerade passiert. Mir fehlte einfach so viel Kontext.
      Je mehr Wissen ich mir aneigne, desto weniger erdulde ich sowas. Es ist eine Reise, nach wie vor.
      Ich freu mich sehr darauf, dass Du mich hier weiter begleiten und Neues lernen möchtest. Ich gebe dieses Wissen so gerne weiter. Und wenn Du (oder jeder andere, der dies liest) Fragen zu irgendwelchen Aspekten hast, die ich dann mal verbloggen soll (gerne anonym natürlich), dann melde Dich gerne bei mir.
      Herzlichen Dank! <3

      Antworten
  3. Toll!! So schön geschrieben! 😍 Ganz viel Erfolg Dir! (Und welche Probleme kamen dann nach/von der OP?)
    Herzliche Grüße aus Berlin
    Elke

    Antworten
    • Danke Elke!
      Das ist so nicht ganz kurz zu beantworten, aber sehr vereinfacht ausgedrückt: dadurch, dass hinterher im Bauchraum etwas fehlt (der Uterus), „verzieht“ sich einiges, man stört halt das Gleichgewicht und wie alles miteinander zusammenhängt. Und es hat sich nachträglich noch die Blase gesenkt, was als häufige Nebenwirkung einer Hysterektomie gilt. Aber mit entsprechendem Training kann ich trotzdem was tun, nur hätte es nicht unbedingt so weit kommen müssen.

      Antworten
  4. Danke für deinen Blog und dein schönes Interview! Du hast so eine Klarheit, das tut gut.

    Antworten
    • Oh, wow! Das ist ein wahnsinnig wertvolles Kompliment für mich, ganz lieben Dank, Claudia!

      Antworten
  5. Liebe Aimée, danke für diesen berührenden Artikel!
    Ich habe mich in so vielem wie zum Beispiel dem Präzisions-Ich und der Suche nach Alternativen zur Schulmedizin, dem Annehmen, was ist, wiedererkannt.
    Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner neuen Tätigkeit!
    Dein Design und die Fotos haben mich total reingezogen 🤩

    Antworten
    • Liebe Anja, Du glaubst gar nicht, wie sehr mich das freut zu lesen! Von Herzen Danke!

      Antworten
  6. Wow! Das liest sich sehr aufregend. Teilweise habe ich deinen früheren Schmerz gefühlt. Du hast Baustein für Baustein zusammengefügt und deinen Weg gefunden. Und für mich fühlt es sich so an, als hast du dein Alleinstellungsmerkmal sehr klar herausgearbeitet.
    Auch wenn es viele Angebote zu dem Thema Beckenboden an sich gibt, so gehst du es ganz anders an. Ganzheitlich und Mut machend. Ich wünsche dir maximale Erfolge auf deinem Weg und dass die richtigen Menschen zu dir finden.
    Lieber Gruß Luise

    Antworten
  7. Danke, Luise!
    Ja, ich will Mut machen und zeigen, dass man viel mehr machen kann, als die meisten denken, wenn man eben nicht nur isoliert den Beckenboden betrachtet und trainiert. Das ist so häufig nicht nur nicht nützlich, sondern regelrecht kontraproduktiv.
    Ich freu mich, dass ich das so rüberbringen konnte, dass Du das herausliest und danke Dir für Deine guten Wünsche!

    Antworten
  8. Was für ein schmerzhafter Weg und ein wunderbarer Beitrag. Ganz lieben Dank für Deine Offenheit und fürs Teilen. Ich bin sicher, dass Du einen ganz wunderbaren Weg finden wirst, bzw. Du bist ja schon fast da. Es ist spannend, wie einen das Leben immer wieder zu neuen Möglichkeiten einlädt. Körper und Geist sind einfach nicht trennbar. Das habe auch ich im Laufe der vielen (Leidens) Jahre lernen dürfen. Mein Beitrag ist noch nicht online weil ich mit Grippe im Bett lag. Aber bald.

    Liebe Grüße aus München von Marita

    Antworten
    • Ganz herzlichen Dank, Marita! Ich habe in der Tat beim Schreiben auch nochmal die eine oder andere Träne verdrückt, aber die nächsten Schritte auf meinem Weg werden immer klarer und stabiler.
      Ich hoffe, Deine Grippe ist nachhaltig auskuriert und Du bist wieder ganz fit! Ich freu mich dann auf Deinen Beitrag. Liebe Grüße!

      Antworten
  9. Aimée, ich habe jeden Buchstaben aufgesogen und – teilweise atemlos – alles gelesen. Sehr berührend und sehr mitnehmend. Wie schön, dass es dich gibt!

    Liebste Grüße aus der Nachbarschaft,
    Silke

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