Aimée Riecke

Stabilität für Deine Körpermitte

Körpermitte, Core & Beckenbodentraining – Begriffe, Verständnis und Kontext

21. Aug 2022 | 0 Kommentare

Wenn ich über die Art meines Trainings für die Körpermitte spreche, gerate ich immer wieder gedanklich ins Straucheln, wie ich Dinge am besten beschreibe und benenne. Mit jeder Unterhaltung mehr, merke ich, dass das Verständnis von bestimmten Begriffen sehr unterschiedlich ist, was zu Missverständnissen führen kann. Also muss ich eigentlich immer mit Begriffserklärungen beginnen.

Das fällt mir schwer, weil ich ja nun auch nicht belehrend oder von oben herab rüberkommen möchte und ich auch nicht mal unbedingt über Fachbegriffen rede. Ich halte es aber für unerlässlich, dass wir das gleiche Verständnis von den Begriffen haben, über die wir sprechen. Wissenstransfer kann nur dann erfolgreich stattfinden, wenn man sicher sein kann, die gleiche Sprache zu sprechen.

Deswegen möchte ich hier beginnen, Begriffe und Ausdrücke zu sammeln, die zentral für meine Arbeit sind, und entsprechend zu beschreiben, wie ich gelehrt wurde, sie verstehe und einsetze. Mittelfristig kann hieraus eine Art Glossar oder Orientierungshilfe entstehen, sobald ich die technische Umsetzung sinnvoll gestalten kann und sich noch mehr Begriffe finden. Wenn Du Vorschläge für Begriffe hast, die ich hinzufügen sollte, freue ich mich über einen entsprechenden Kommentar hier im Artikel oder eine Nachricht per E-Mail.

Beckenboden

Der Beckenboden ist ein komplexes Geflecht von Muskulatur und Bindegewebe, das in unserem Becken liegt. Er trägt die Beckenorgane und hat zur Aufgabe anzuspannen, zu entspannen und reflektorisch auf Erhöhung des Bauchraumdrucks zu reagieren (bspw. beim Niesen, Husten oder schwerem Heben bzw. Tragen). Der Beckenboden schließt den Core (siehe unten) nach unten ab und ist damit ein Teil des Cores.

Beckenboden – stark, schwach oder funktional

Wenn der Beckenboden nicht so funktioniert, wie er soll und beispielsweise beim Niesen Urin verloren wird, wird er häufig als schwach bezeichnet. Dann wird angestrebt, den Beckenboden mit Training zu stärken. Jedoch haben viele Frauen, insbesondere wenn wir uns nicht mehr allzu kurz nach einer Geburt befinden, eher einen „zu starken“ Beckenboden, der zu stark angespannt ist, was auch Grund für Symptome sein kann.

Stark und schwach sind Begriffe, die in diesem Kontext nicht ausreichend präzise beschreiben, wie der Zustand tatsächlich ist. Führst Du Übungen durch, die zur Stärkung gedacht sind, hast aber bereits einen sehr starken, jedoch nicht funktional arbeitenden Beckenboden, dann kann sich die Symptomatik verschlimmern, obwohl Du ja trainierst.

Wir wollen, dass unsere Muskulatur, auch die des Beckenbodens, funktional arbeiten kann, also so wie sie soll. Dazu muss sie in ihrem gesamten Funktionsspielraum genutzt, also auch trainiert werden. Was das bedeutet, kannst Du in diesem Abschnitt nachlesen.

Beckenbodentraining

Bei mir ist Beckenbodentraining immer ein Training, das den ganzen Körper mit einbezieht. Wie das genau aussieht, habe ich in Was ist der Ganzkörperansatz im Beckenbodentraining beschrieben. Warum ich von diesem Ansatz überzeugt bin, kannst Du in 5 Gründe, warum ich im Beckenbodentraining den Ganzkörperansatz liebe nachlesen.

Das grenzt sich ab von Ansätzen, die die Beckenbodenmuskulatur nur isoliert trainieren und häufig in Form von „Anspannen & Loslassen“-Übungen (Kegel) oder Varianten davon daher kommen.

Core und Core-Training

Core wird sowohl im englischsprachigen als auch deutschsprachigem Raum im sportlichen Kontext vielfältig genutzt und scheint kein eindeutiges Verständnis mit sich zu bringen. Am häufigsten begegnete mir bisher die Assoziation von Core-Training mit Übungen, die einen starken Fokus auf einen flachen bzw. Waschbrettbauch anstrebten. Ich hingegen schaue aus der Perspektive der Funktionalität auf den Core, die Optik ist dabei nachrangig.

Für mich ist der Core ein definierter Bereich in der Körpermitte: oben schließt das Zwerchfell ab, unten der Beckenboden und die „Wände“ des Core-Gefäßes sind die Bauchmuskeln und Teile der Rückenstützmuskulatur. Core-Training ist also Training dieses Gefäßes und sagt damit erstmal noch nichts über die Art und das Ziel des Trainings aus. Eine detailliertere Beschreibung dieser Definition und was ich unter gutem Core-Training verstehe, kannst Du im Artikel darüber, was Core-Training ist nachlesen.

Körpermitte

Der Begriff Körpermitte scheint mir in weiten Teilen synonym mit dem des Cores genutzt zu werden. Meinem Eindruck nach ist er etwas unspezifischer und noch etwas subjektiver im Einsatz, bzw. mehr emotional und weniger im Trainingskontext genutzt, als es bei Core der Fall ist. Man kann sicherlich auch Körpermittetraining oder Training für die Körpermitte anstelle von Core-Training sagen, aber man landet meistens wieder bei Core, weil es vermutlich für viele so leichter über die Lippen geht. Ich nutze Körpermitte und Core in meinem Training gleichbedeutend.

Stabile (Körper-)Mitte

Wann ist die Körpermitte stabil? Man kann dieses sicherlich auch als subjektives Empfinden ansehen, aber im Trainingskontext gibt es für mich dennoch ein Ziel, um Stabilität im Core zu erreichen. Wenn Dein Core reflektorisch anspringen kann, angemessen zur jeweiligen Belastung, und ohne dass sich der Druck im Bauchraum unverhältnismäßig erhöht, dann hast Du in meinen Augen eine funktionale und demnach auch stabile Mitte.

Ob Du Stabilität in Deiner Mitte empfindest, kann tatsächlich unabhängig davon sein, ob Dein Core sich so wie gewünscht verhält und entsprechend aktiviert. Während der Übungen (oder natürlich auch im Alltag) Sicherheit in Deinen Bewegungen zu empfinden, spielt in meinem Training auch eine Rolle. Denn meinem Empfinden nach kannst Du auch, wenn Du physisch stabil stehst, emotional Instabilität empfinden, die sich insbesondere in einem Gefühl einer instabilen Mitte niederschlagen kann.

Ein Frauentorso in Sportklamotten ist von vorne sichtbar. Auf dem Trägershirt steht "restored" dahinter ein Haken, als Checkmark. DIe Hände liegen mit den Handinnanflächen aufeinander vor der Körpermitte zusammen und zeigen nach vorne. Hierdurch soll eine gewisse Balance dargestellt werden.


Anmerkung: Dieser Artikel ist an Tag 1 der Sommer-Blogdekade 2022 entstanden. Vom 21.08. bis 30.08.2022 schreiben viele Bloggerinnen in TheContentSociety innerhalb von zehn Tagen bis zu zehn Blogartikel. Es ist meine erste Blogdekade, und ich bin neugierig, wie viele Artikel ich tatsächlich in dieser Zeit erstellen kenn, ohne mich von meinem inneren Perfektionisten ausbremsen zu lassen.

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